Das A–B–C–T-Modell beschreibt die Entstehung und zunehmende Komplexität von Intelligenz als dynamischen Prozess. Es geht von der Annahme aus, dass intelligente Systeme nicht isoliert existieren, sondern durch Abgrenzung, Differenzbildung, zeitlich-kausale Ordnung, Wechselwirkung, Gedächtnis und Rekursion entstehen und sich weiterentwickeln.
Das Modell unterscheidet vier funktionale Komponenten:
- A – abgegrenzter Systemzustand
- B – Differenz bzw. anderer Zustand
- C – emergente Ordnung aus Wechselwirkung
- T – zeitliche und kausale Ordnung
Es verbindet Konzepte aus Systemtheorie, Kybernetik, Informationstheorie, Thermodynamik, Evolutionsbiologie und Kognitionswissenschaft. Das Modell erhebt keinen Anspruch auf eine vollständige Theorie des Bewusstseins. Die Frage der Substratunabhängigkeit bleibt ausdrücklich offen.
1. Grundstruktur
Das Modell folgt der minimalen Prozesskette
A → B → C
unter Einbeziehung der Zeit und der Wechselwirkung:
A(t₀) ↔ B(t₁) → C(t₂)
Zentrale Hypothese
Intelligenz ist die historisch gewachsene Fähigkeit eines Systems,
- relevante Unterschiede zu erkennen und zu stabilisieren,
- Zustände zeitlich und kausal zu verknüpfen,
- aus Wechselwirkungen neue funktionale Zustände hervorzubringen und
- erworbene Information für zukünftige Zustände nutzbar zu machen.
2. Die vier Komponenten
A – Systemgrenze
A bezeichnet eine organisatorisch abgegrenzte, selbstreferentielle Einheit (operationale Geschlossenheit / Autopoiesis). Bewusstsein ist keine Voraussetzung. Ein Thermostat besitzt interne Zustände und reagiert auf Differenzen, ohne subjektives Erleben.
T – Zeit und Kausalität
T markiert die zeitlich-kausale Ordnung. Lernen setzt voraus, dass frühere Zustände die Wahrscheinlichkeit späterer Zustände verändern. Das Modell verwendet T primär als ordnende Dimension, nicht als vollständige Theorie des Zeitpfeils.
B – Differenz und Information
B entsteht, sobald A ≠ B erkannt wird. Information ist hier im Sinne Batesons eine „difference that makes a difference“. Intelligenz beginnt nicht mit maximaler Informationsmenge, sondern mit der Fähigkeit, relevante Unterschiede zu erzeugen und zu verarbeiten.
A ↔ B – strukturelle Kopplung
Die wechselseitige Beeinflussung verändert beide Systeme, ohne sie vollständig zu determinieren. Dies entspricht dem Begriff der strukturellen Kopplung in Systemtheorie und Biologie.
C – Emergenz
Aus der Wechselwirkung entsteht eine neue funktionale oder relationale Ordnung (Muster, Regel, Organisationsform, Gedächtnisspur, sozialer Bedeutungsraum). Das Modell arbeitet mit schwacher Emergenz: C ist prinzipiell auf die zugrunde liegenden Prozesse rückführbar, auch wenn die Ableitung praktisch hochkomplex ist.
3. Gedächtnis, Rekursion und hierarchische Organisation
Eine entstandene Struktur kann Spuren bewahren und damit Lernen ermöglichen (synaptische Plastizität, kulturelle Weitergabe, Ratchet-Effekt).